Jerry Maguire sortiert sein Rolodex. Oder: Visitenkarten 1.0.
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Maguire: “SHOW ME THE MONEY!”
Jerry Maguire: “I love you. You… complete me.”
Dorothy: “Shut up. Just shut up. You had me at ‘hello’.”
Dicky Fox: “The key to this business is personal relationships.”
Dicky Fox: “If this [points to heart] is empty, this [points to head] doesn’t matter.”
Dicky Fox: “Hey… I don’t have all the answers. In life, to be honest, I have failed as much as I have succeeded. But I love my wife. I love my life. And I wish you my kind of success.”
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Neulich in einer meiner schwachen Stunden: keine Ideen mehr, keine Lust zu telefonieren, Termine zu machen oder überhaupt Kontakt mit irgendwem aufzunehmen. Just in diesem Moment öffnete ich – quasi in purer Verzweiflung oder in der Hoffnung dort einen inspirierenden Impuls zu finden – eine der Schubladen, die normalerweise entweder vergessenes Frühstück oder alte, krümpelige Unterlagen enthalten. Doch nichts von dem: stattdessen ein Haufen bunter Visitenkarten der ersten Multimediageneration: schreiend orangene, knallblaue, mit Prägedruck, hochkantige, überdimensionierte, von CEOs, Marketingbossen, hoffnungsvollen Gründern – kurz: ich hatte eine schöne Beschäftigung gefunden: meine persönliche Story in der bunten Multimediawelt vor, während und nach der Zeit des Bubbles 1.0 aufzuarbeiten. Erstaunliches trat dabei zu Tage. Es ergaben sich tatsächlich klare Muster, die ich gerne – auf Basis von rund, sagen wir mal, n=300 Visitenkarten, gesammelt im Zeitraum zwischen 1997 – 2004, messerscharf analysiert habe.
1. Die eigenen Identitäten (=rd. 10%)
Wie schnell man doch vergisst: rund 10% (!) der Karten da in der Schachtel waren tatsächlich von mir selbst. Einige der Firmen, deren Kärtchen ich seinerzeit verteilte (oder am Revers trug), haben sich entweder in Luft aufgelöst, wurden an Konzerne verkauft, sich umbenannt oder sie gibt es tatsächlich heute noch. Diese sind dann aber durchweg, das ist die große Erkenntnis dieses Punktes, mittelständische, inhabergeführte Unternehmen.
2. VIP- und Promikarten (=5%)
Darunter subsummiere ich die Kärtchen (ge-)wichtiger Einkaufsleiter, Film-, Funk- Fernsehleute – (beispielsweise meinen “Buddy” Mal Sondock. Wer kennt ihn noch, die WDR-Hitparaden-Ikone), Szene-Stars der 2000er Onlinewelt oder auch Journalisten und Verlagsleute bekannter Gazetten und Medien. Rein gestaltungs- technisch regiert hier konsequent der “no frills chic”. Je wichtiger, desto schlichter das Kärtken. Irgendwie hat man das ja immer so “gefühlt” – ich habe es jetzt bewiesen! Es ist wirklich so.
3. Multiple-Logo-Cards (<1%)
“Wir wussten nicht recht wohin mit uns” ist die passende Überschrift über dieses VK-Segment. Von den “Multiple-Logoisten” gibt es nicht viele, aber die Ausnahme ist doch erwähnenswert und erzählt eine ganze Geschichte. Nicht gemeint sind übrigens Karten mit mehreren Logos auf einer Karte. Nein, gemeint sind verschiedene Karten gleicher Firmen und gleicher Ansprechpartner. Die Portal AG ist in dieser Rubrik eindeutig führend: 4 Karten, 4 Logos, 4 verschiedene Papiersorten: 1xPrägedruck, 1xdrei abgerundete Rechtecke, 1×2eckige Logo-Rechtecke, 1×3farbig, 3×2farbig, 1xLogo als Typolösung, 2 verschiedene Claims (“we create e-merging markets” und “Vorteile wohin man klickt”) – unglaublich. Ich glaube, es gibt die Portaler nicht mehr, oder?
4. Nervensägen ( rd. 2,5%)
Eine fast sensationelle Erkenntnis gibt es aus der Rubrik “Visitenkarten von Nervensägen” zu berichten. Darunter habe ich alle Personen aufaddiert, mit denen ich ungeheuer viel Zeit in Meetings oder am Telefon verbracht habe und die dazu – das ist das Entscheidende – echt aufdringlich und/oder richtig unverschämt waren (sind?). Und das über einen längeren Zeitraum von mindestens 12 Monaten. Das Sensationelle: alle diese N-People hatten tatsächlich Hochkant-Visitenkarten – A L L E! Keine Ausnahme. Liebe Hochkant-Kärtler/-innen: tröstet euch, ich hatte auch mal eine…....
5. Exoten (rd. 10%)
Hierzu zähle ich, da werde ich gerne konkreter, Karten von o.tel.o, LAVA, EXPO2000, surver:, nickelodeon (kindersender), Grabenhorst&Vetterlein, TV1.DE, Cyquest, Warner Brothers Movie World, red cell, edel records, McAfee…undsoweiterundsofort. Coole Karten, aufwändige Karten, “Dinsosaurier”-Karten, teils museumsreife Relikte vergangener Tage – eine kunterbunte Welt. Ich überlege, ob ich daraus nicht mal ein Gesamtkunstwerk kreiere.
6. And the winner is…....
Für den nächsten Report in Kürze werde ich demnächst mal eine Gewinnerkarte bestimmen, scannen und hier abbilden. Oder neue “Muster” erkennen. Mal gugge.
Nach dieser Analyse war der Tag dann schnell Nacht geworden, eine Lösung hatte ich immer noch nicht, aber viele Geschichten wiedergefunden. Damit lässt sich auch ruhig schlafen. Noch für die Rechner unter euch: natürlich ergeben die genannten Prozentzahlen keine 100%, dazu waren viele V-Karten weder inhaltlich (an viele flüchtige Bekannte kann ich mich nicht mehr erinnern) noch gestalterisch erwähnenswert.